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Informationen zum gemeindebezogenen Krebsmonitoring

In Deutschland erkrankt jeder zweite bis dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer Krebserkrankung. Viele haben Angehörige, Bekannte oder Nachbarn, die von einer der zahlreichen Krebsdiagnosen betroffen sind. So kann der Eindruck entstehen, dass eine auffällige Krebshäufung vorliegt. Als Ursache werden oft regionale Faktoren in der Umwelt angenommen.

Jede vermutete regionale Häufung von Krebserkrankungen ist für die Menschen in der betroffenen Umgebung beunruhigend und erfordert eine rasche und sachgerechte Abklärung.
Das Land Niedersachsen hat das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) beauftragt,die Häufigkeit von Krebserkrankungen systematisch zu beobachten.

Gemeindebezogenes Krebs-Monitoring 
Das EKN führt seit 2014 ein gemeindebezogenes Krebs-Monitoring durch. Das Land Niedersachsen möchte damit die Bevölkerung über das Krebsgeschehen in ihrer Region informieren. Seit 2020 werden die hämatologischen Krebserkrankungen im Monitoring in den Blick genommen.

Was bedeutet „gemeindebezogenes Krebs-Monitoring“?
Das „gemeindebezogene Krebs-Monitoring“ in Niedersachsen steht für das systematische Beobachten von Krebserkrankungsfällen in niedersächsischen Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern. Hat Ihre Gemeinde weniger als 5000 Einwohner, wird diese aus Datenschutzgründen mit einer Nachbargemeinde zu einer sogenannten regionalen Beobachtungseinheit (ReBe) zusammengefasst.

Was wird im Monitoring untersucht?
Das EKN beobachtet die regionale Verteilung von hämatologischen Krebserkrankungen. Für folgende Diagnosegruppen wird aktiv nach regionalen Erhöhungen gesucht:
• Die Diagnosegruppe der akuten Leukämien
• Die Diagnosegruppe der Non-Hodgkin-Lymphome, des Multiples Myeloms und der chronischen lymphatischen Leukämie

Für diese Diagnosegruppen werden die Zahlen der tatsächlichen Erkrankungsfälle mit der jeweiligen erwarteten Erkrankungshäufigkeit in den Gemeinden verglichen. Dies geschieht über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren, um belastbare Erkrankungszahlen zu erhalten.

Was geschieht, wenn für Ihre Gemeinde eine auffällige hämatologische Krebshäufung beobachtet wurde?
Zeichnet sich ab, dass die Anzahl der Erkrankungsfälle in Ihrer Gemeinde deutlich - in der Statistik spricht man von signifikant - über den erwarteten Erkrankungsfällen liegt, wird die zuständige Gesundheitsbehörde Ihres Landkreises darüber informiert. Ihr Landkreis wird versuchen, mögliche Erklärungen für diese regionale Krebshäufung aufzudecken und, wenn erforderlich, weitere  Maßnahmen einzuleiten.
Die Ursachenermittlung ist aber sehr viel schwieriger als z.B. bei Infektionserkrankungen. Hämatologische Krebserkrankungen können sehr langsam entstehen, mögliche Auslöser können Jahre zurückliegen. Deshalb wird man bei der Suche nach möglichen Ursachen für eine regionale Krebshäufung 10 Jahre und länger zurückblicken müssen.

Häufig kann eine Krebserkrankung auch nicht genau einer Ursache zugeschrieben werden: Viele Faktoren wie z. B. der Lebensstil, der Arbeitsplatz und auch die genetische Veranlagung spielen bei der Krebsentwicklung eine Rolle; man spricht deshalb auch von einem multikausalen Geschehen. Für die Ursachensuche kann es daher erforderlich sein, dass der Landkreis um die Mithilfe von betroffenen Menschen bittet. Es kann z. B. eine Befragung zu möglichen Ursachen notwendig werden. In diesem Fall ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen an einer solchen Befragung teilnehmen.

Warum werden nur die hämatologischen Diagnosen aktiv im Monitoring beobachtet?
Über das Monitoring können regionale Häufungen identifiziert werden, die allerdings verschiedene Ursachen haben können. Eine eindeutige Zuschreibung eines Verursachers für eine regionale Häufung von bestimmten Krebserkrankungen gelingt nur äußerst selten.

Die Häufungen können
• systematisch bedingt sein, z.B. durch intensivierte Früherkennungsmaßnahmen,
• durch individuelle Risikofaktoren wie genetische Risiken oder auch Lebensstilfaktoren hervorgerufen werden
• durch umwelt- und arbeitsplatzbedingte Faktoren beeinflusst werden,
• oder auch rein zufällig sein.

Diese aktive Suche birgt somit die Problematik, dass auch rein zufällig zustande gekommene Krebshäufungen beobachtet werden. Somit bedurfte es bei der Konzeption des Monitorings einer sorgfältigen Abwägung zwischen dem Nutzen einer frühzeitigen Information und dem potentiellen Schaden durch die Information über zufällige Häufungen. Deshalb wurde nach einer mehrjährigen Pilotphase und unter Einbeziehung der kommunalen Gesundheitsbehörden das Monitoring spezifisch auf hämatologische Krebserkrankungen ausgerichtet. Diese Diagnosegruppe wird immer wieder im Zusammenhang mit möglichen umweltbezogenen Risikofaktoren diskutiert. Zudem gibt es zu dieser Gruppe der Krebserkrankungen zum Teil gesicherte Erkenntnisse zu Umweltfaktoren als mögliche Risiken: Für die Gruppe der akuten Leukämien sind Umweltfaktoren als mögliche Risiken belegt, für die erweiterte NHL-Diagnosegruppe werden sie zumindest für einen relevanten Anteil vermutet. Weitere Ausführungen zu den konzeptionellen Änderungen finden Sie unter www.krebsregister-niedersachsen.de/index.php/projekte/monitoring.

Ergänzend zu diesem spezifisch ausgerichteten gemeindebezogenen Krebs-Monitoring unterhält das EKN einen kleinräumigen Krebsatlas, der für ausgewählte Diagnosen das Krebsgeschehen in
Niedersachsen auf Gemeindeebene beschreibt.
Dieser ist unter https://www.krebsregister-niedersachsen.de/krebsatlas abrufbar.

Ihre kommunale Gesundheitsbehörde bleibt auch weiterhin erste Ansprechpartnerin
Sollte es Anzeichen für Häufungen anderer Krebsdiagnosen in Ihrer Region geben, können die kommunalen Gesundheitsbehörden selbstverständlich auch unabhängig vom Monitoring bei einem begründeten Anfangsverdacht das EKN um eine Überprüfung bitten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.krebsregister-niedersachsen.de

Vertrauensstelle des EKN
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
vertrauensstelle.ekn@nlga.niedersachsen.de
Frau Dr. Jopp, Telefon 05 11 / 45 05 – 356


Registerstelle des EKN
OFFIS CARE GmbH
registerstelle@krebsregister-niedersachsen.de
Herr Kieschke, Telefon 04 41 / 36 10 56 – 12

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