Friedland in Europa

Willenserklärung des Forums anlässlich des 1. Friedlandtreffens am 04. Mai 1996

Das erste Treffen der acht Städte und Gemeinden hat den Grundstein für gutbürger­liche Beziehungen gelegt. Die Bürger unserer Städte und Gemeinden haben als Euro­päer gemein­same geschichtliche Wurzeln und Wertvorstellungen.

Die Durchsetzbarkeit solcher Grundwerte wie Freiheit, Demokratie, Solidarität, wirt­schaft­liche Wohlfahrt sowie soziale Sicherheit, und die Herrschaft des Rechts, be­sonders die Ach­tung der Menschenrechte, wird das Leben in unseren Orten täglich le­benswerter gestalten.

In diesem Prozess ist die Mitwirkung unserer Bürger gefragt. Die Friedlands der Ver­gangen­heit hatten gemeinsam, dass sie oft vor der Vernichtung standen und der Mut und die Kraft der Bewohner die Orte immer wieder neu entstehen ließ.

Wir wollen mit den Menschen in unseren Regionen dazu betragen, Trennendes zu über­winden, das Verständnis für Partner weiterzuentwickeln und viele Menschen in gemein­same Begegnun­gen der Friedländer einzubeziehen.

Unser Treffen zeigt, dass die kulturelle Vielfalt in unseren Regionen ein wichtiger Meilen­stein beim gegenseitigen Kennenlernen und Zusammenwachsen ist. Sie gilt es weiterhin darzu­stellen und zu pflegen.

Getreu dem Motto dieses Treffens "Friedland - friedliches Land - friedliches Europa" wer­den wir alles daransetzen, eine solche Friedensordnung in Europa zu unterstützen, die von Freiheit, Demokratie, Durchsetzung der Menschenrechte, Selbstbestimmung, Vertrauensbil­dung und partnerschaftlicher Zusammenarbeit geprägt ist.

Mittlerweile treffen sich alljährlich 10 Orte jeweils in einem festgelegten Friedland. Zu­sätzlich gibt es noch einen Jugendaustausch. Gesprochen wird bei allen Begegnungen in allen Sprachen, d.h. konkret in Russisch, Polnisch, Tschechisch, Deutsch und Eng­lisch.


Amt Friedland / Niederlausitz

Die Stadt wurde wahrscheinlich 1301 gegründet und ist mit etwa 760 Einwohnern im eigentlichen Stadt­gebiet Friedland eine der kleinsten Städte Branden­burgs.

Friedland liegt im Landkreis Oder-Spree und bildet das Tor zur Niederlausitz - einer vom Braunkohleta­gebau und sorbischer Kultur geprägten Region.

Mit den Kommunalwahlen am 24. Oktober 2003 wurde aus dem ehemaligen Amt Friedland die Großgemeinde Stadt Friedland mit 16 Ortsteilen gebildet und das Amt aufgelöst. Das Zentrum der Stadt ist der neu­gestaltete Marktplatz mit Brunnen und Kriegerdenk­mal vor der Kirche. Die Burg Fried­land aus dem Jahre 1658 wurde 1984 zum Denkmal erklärt.

Ein ausgebautes Radwegenetz lädt zu Radtouren ein und das Oder-Spree-Seengebiet ist ein attraktives Gebiet für Wasserwanderer. Weitere Reiseziele sind unter anderem der eiszeitlich geprägte Naturpark Schlaubetal und das Zisterzienserkloster in Neuzelle.


Debrzno (Polen)

Debrzno liegt in Hinterpommern am Flüsschen Dobrinka, heute Debrzynka, 152 km südwestlich von Danzig. Im Süden beginnt die Krainaer Seenplatte.

Der Ort „Fredeland“ wurde erstmals in einer Urkunde von 1346 genannt. Während der Besiedlung durch die pommerellischen Herzöge von Danzig wurde dort eine Grenzburg errichtet.

Friedland war eine Ackerbürgerstadt. Daneben gab es viele Handwerker und bis ins 19. Jahrh. ein bedeuten­des Tuchmachergewerbe. Friedländer Stoffe wurden bis nach Russland verkauft.

Von 1309 bis 1466 war Friedland Ordensland, danach unter polnischer Herrschaft. Die wechselvolle Geschichte brachte viel Leid über die Stadt. Im Jahr 1627 wurde Friedland von schwedischen Soldaten geplündert, 1659 brach die Pest aus und 1696 zerstörte ein Brand bis auf drei Häuser alles. 1772 wurden die Stadt und das Schlochauer Land  preußisch. In der napoleonischen Zeit, insbes. 1806/1807, zogen französi­sche Soldaten durch die Stadt und verursachten eine drückende Teuerung. Am Ende des 19. Jahrhunderts kamen rheinländische Einwanderer, wodurch sich die Einwohnerzahl verdoppelte. Nach dem 1. Weltkrieg gehörte es zur Grenzmark Posen-Westpreußen und seit 1939 zu Pommern. Preußisch Friedland hatte zu deutscher Zeit knapp 4.000 Ein­wohner. Heute leben in Debrzno mit seinen Stadttei­len rund 10.000 Menschen.


Friedland / Mecklenburg - Vorpommern

Gegründet wurde die heute ca. 8000 Einwohner zäh­lende Stadt 1244 von den bran­denburgischen Mark­grafen Johann I. und Otto II. So friedlich wie der Ortsname war die wei­tere Geschichte nicht. Kriege (Schlacht an der Kavel, 1760), Hungersnöte, Seuchen (1637/38 mit 872 Pesttoten), Stadtbrände (12) sowie die Lage in einer der strukturschwächsten deut­schen Regionen hemmten die Stadtentwicklung.

Zu den bemerkenswerten Bauwerken gehören die weitgehend erhaltene Stadtmauer, das Steintor (Anklamer Tor) im frühgotischen Stil, das Burgtor (Neubrandenburger Tor) im spätgo­tischen Stil und die Pfarrkirche St. Marien.

1814 wurde in Friedland der erste deutsche Turnver­ein gegründet. Ab 1854 hatte Friedland Straßenbe­leuchtung, ab 1894 sogar Bürgersteige. Bekannt wurde die Stadt durch die Rote Friedländerin - eine rote Fliese, die u.a. für Labortische verwendet wurde. Dem 1831 geborenen Wilhelm Sauer, Sohn der Stadt, verdankt Friedland seine bekannte Orgel.


Frydlant / Nordböhmen (Tschechien)

Am Isergebirge liegt Frydlant, die „Stadt der Schu­len“, mit ihren fast 8000 Einwohnern.

Die Gegend um Friedland war Teil des Besitzes der Bischöfe von Meißen um die Stadt Seidenberg. 1278 wurde die Herrschaft Seidenberg nach Friedland verlegt und bis 1551 gehörten Schloss und Herr­schaft den Herren von Bieberstein. Die Stadtmauer wurde errichtet und Stadtprivilegien wurden verge­ben.  Bis 1620 war die Region im Besitz der Herren von Redern. Diesen wurde die Herrschaft im Zuge der katholischen Gegenreformation Böhmens entzogen. Albrecht von Wallenstein erhielt sie von Kaiser Ferdinand II. 1620 zunächst als Pfand und kaufte sie 1622 endgültig vom kaiserlichen Fiskus.

Seit 1939 lautete der offizielle Name der Stadt Friedland. Auf Grund der Beneš-Dekrete wurden 1945 die deutschen Bewohner enteignet und vertrieben.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Burg und das Schloss Friedland mit dem ältesten Burgmuseum Mitteleuropas, die Kirche der Kreuzfindung und das Rathaus im Stil der Neorenaissance.
Textilindustrie und Maschinenbau bestimmen die Wirtschaft.


Frydlant nad Ostravici (Tschechien)

Die Stadt mit ca. 10.000 Einwohnern liegt in Nord­mähren im Tal des Flusses Ostravici, am höchsten Berg der mährisch-schlesischen Beskiden (1323m).

Der Ort entstand am Ende des 13. Jahrhunderts im Zuge der Kolonisation der Gegend durch den Olmüt­zer Bischof Theoderich von Neuhaus. Zum Schutze des bischöflichen Herrschaftsgebietes an der Ostrawitza, die die Grenze zum Herzogtum Teschen bildete, entstand links des Flusses eine bischöfliche Feste, um die sich die Ansiedlung entwickelte.

Fried­land entwickelte sich zu einem namhaften Standort der Eisenverhüttung. Daneben wurde seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts die Papierfabrika­tion ansässig. Mit den im Laufe des 18. Jahrhunderts ein­setzenden Anfängen der Industrialisierung ent­wickelte sich der Ort zu einem Zentrum der Montan­industrie. 1777 wurde Friedland zum Markt erhoben.

Die St. Bartolomä Kirche, barocke Statuen, das Rat­hausgebäude, das ehemalige Kloster und ursprüngliche Holzhäuser sind Beispiele für die historischen Se­henswürdigkeiten. Wichtige Wirtschaftszweige sind die Produktion von Grubenmaschinen, Gusseisenwaren und Geschirr.


Korfantow / Kreis Falkenberg (Polen)

Die 1335 gegründete Stadt Korfantow mit ihren 2070 Einwohnern liegt im südwestlichen Teil des Slask Opolski (Oppelner Schlesien) am Flüßchen Scinawa Niemo Minska (Steinau), 40 km von Oppeln entfernt.

1945 wurde die Stadt polnisch. Die deutschen Bewoh­ner wurden 1946 nach Lamsdorf (Lambinowice) inter­niert und polnische Vertriebene aus den an die UdSSR gefallenen Gebieten angesiedelt. Friedland wurde nach dem polnischen Freischärler und Politiker Wojciech Korfanty, der die Stadt niemals betreten hatte, in Korfantów umbenannt.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Dreifaltig­keitskirche im Neobarockstil, neun weitere Kirchen, das Spätrenaissanceschloß und der Ende des 19. Jahrhunderts umgebaute Stadtring in Form eines nichtregulären Vierecks). Ausgedehnte Waldkomplexe (Naturschutzgebiet) bieten viele Erholungsmöglichkeiten.

Gesundheit, Bildung, Sport und Kultur nehmen in der Stadt mit ihren Industrie- und Dienstleistungsbe­trieben sowie Handwerksbetrieben einen hohen Stellenwert ein.


Mieroszow / Kreis Waldenburg (Polen)

Die Stadt Mieroszów (Niederschlesien) wird geprägt von der Mittelgebirgslandschaft der Mittelsudeten. Sie hat 4.553 Einwohner und liegt 18 km südlich von Wałbrzych (Waldenburg) im Tal der Steine nahe der Grenze zu Tschechien.

Die Besiedlung der Gegend erfolgte um 1250 durch ein Benediktinerkloster. Im Jahre 1326 erhielt Mie­roszow die Stadtrechte. In Folge ihrer Lage an der böhmischen Grenze erlitt die Stadt in fast allen Krie­gen, deren Kämpfe sich zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert in der Gegend abspielten, Schäden. 1742 kam Friedland zu Preußen. Die Glanzperiode fiel auf die 20er und 30er Jahre des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit entstanden viele Webereien. 1839 ent­stand die erste mechanische Weberei. Weiterhin wa­ren in der Stadt holzverarbeitende Betriebe ansässig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann eine dynamische Entwicklung der Kurorte und der Touristik. Im Zweiten Weltkrieg waren keine Schä­den in Friedland entstanden. Wegen ihrer Grenzlage abseits von den Zentren des Waldenburger Stein­kohlenreviers setzte jedoch ein Verfall der Stadt ein. Mittlerweile sind die Häuser restauriert und laden zum Besuch ein.

 

 

 


Mirosławiec (Polen)

Mirosławiec liegt in Hinterpommern am Nordufer des kleinen Körtnitzsees. Im Norden und Süden erstrecken sich die Draheimer und die Kroner Seenplatten. Knapp 6.000 Einwohner leben im Gemeindegebiet. Mirosławiec besitzt einen Fliegerhorst und ist Sitz der 12. Fliegerbasis der Polnischen Luftstreitkräfte. Im Januar 2008 kam es zu einem folgenschweren Absturz einer Militärmaschine CASA C-295 nahe dem Fliegerhorst.

Die Gründung von Märkisch Friedland hängt mit der im 13. Jahrhundert von den slawischen Fürsten und dem Templerorden betriebenen Besiedlung zusammen, an der sich später auch die brandenburgischen Markgrafen beteiligten. Der Name Friedland ist von „Vredeland“ abgeleitet und wurde 1303 erstmals mit der Ortsbezeichnung „Nova Vredeland“ urkundlich erwähnt.

Im Jahre 1593 ging die Stadt in den Besitz der Familie von Blanckenburg über. Diese förderte den Zuzug von aus dem westlichen Brandenburg vertriebenen Juden, eine Maßnahme, die zu einer wesentlichen Stärkung der Wirtschaftskraft führte. In späterer Zeit betrug der Anteil der Juden an der Einwohnerzahl bis zu 50 Prozent. Ein großer Brand vernichtete im Jahre 1719 große Teile der Stadt, darunter das Herrschaftsschloss und die Kirche. 1758 wiederholte sich die Katastrophe. Der daraufhin in Angriff genommene Wiederaufbau erfolgte durch Errichtung meist zweistöckiger Wohnhäuser.


Prawdinsk / Ostpreußen (Russland)

Die Stadt Friedland an der Aller wurde 1312 durch die Ritter des Deutschen Ordens gegründet. Litaui­sche Eindringlinge richteten 1347 schwere Zerstö­rungen an. 1441 trat die Stadt dem Preußischen Bund bei und gehörte im Städtekrieg 1454 zu den Gegnern des Deutschen Ordens.

Im 15. Jahrhundert wurde Friedland zu einem bedeu­tenden Zentrum für Tuch­macherei und Weberei. Das Ordensheer zerstörte Friedland 1466 erneut. Weite­re Zerstörungen erlitt die Stadt 1553 durch einen Stadtbrand, dem nur die Kirche entging, und 1656 durch schwedische Truppen. 1795 wütete erneut eine Feuersbrunst in der Stadt. Am 14. Juni 1807 fand die Schlacht von Friedland statt, bei der Napoleon das rus­sische Heer schlug. Die­ses Ereignis würdigen zwei Denkmale. 1946 erhielt die ca. 5000 Einwohner zäh­lende Stadt den Namen Prawdinsk und wurde rus­sisch.

Zu den interessantesten Bauwerken zählen die Pfarr­kirche im frühgotischen Stil (1313) und die 1921 – 1923 errichtete Ale Talsperre („Ostpreußenwerk“) mit einer Wasserfläche von 4,2 m² und einer Stau­höhe von 14 m.


Suchen